Alternative Bildungsangebote
08. September 2026
Der Bürgerkrieg in Myanmar dauert mittlerweile seit sechs Jahren an – ein Ende ist nicht absehbar. Gewalt, Vertreibung und schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen prägen weiterhin den Alltag der Bevölkerung. Insbesondere in den Siedlungsgebieten ethnischer Minderheiten kommt es immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen und Luftangriffen des Militärs. Tausende Familien sehen sich dadurch gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und Schutz im benachbarten Thailand zu suchen. Lt. dem UNICEF-Thailand-Bericht Make Learning Count sind seit dem Militärputsch rund vier Millionen Menschen aus Myanmar nach Thailand geflohen. Viele andere Familien sind bereits vor dem Bürgerkrieg nach Thailand geflohen. Für Kinder sind diese Situation besonders schwierig.
Der Bedarf an Bildung und Schutz für Kinder aus Myanmar bleibt unverändert hoch. Im Schuljahr 2026/2027 besuchen insgesamt 18.063 Kinder 60 Migrantenlernzentren in der thailändischen Provinz Tak. Zehn dieser Schulen werden von unserem Projektpartner Help without Frontiers (HwF) betreut und mit unserer Unterstützung geführt. Diese Schulen sind vom thailändischen Staat geduldet, finanziert werden sie vom Staat jedoch nicht. Für die Kinder sind die Migrantenschulen ein immens wichtiges Auffangnetz, da den meisten Kindern der Besuch der staatlichen Schulen verwehrt ist. Die Migrantenlernzentren sind weit mehr als ein Lernort: Sie bieten Bildung, Sicherheit, Stabilität und die Chance auf eine Zukunft, die ihnen der Bürgerkrieg genommen hat.
Da die meisten Familien ihre Zukunft inzwischen dauerhaft in Thailand sehen, richtet HwF seine Arbeit verstärkt auf langfristige Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt aus.
Dazu gehört die Förderung der thailändischen Sprache bzw. Einstellung zusätzlicher thailändischer Lehrkräfte an den Migrantenlernzentren, die enge Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden und der Erwerb anerkannter thailändischer Bildungsabschlüsse.
Verschiedene Lebensrealitäten
Das Bildungsangebot von Help without Frontiers (HwF) umfasst mittlerweile ein breites Spektrum an kurz- und langfristigen Projekten, welches Kindern aus Myanmar – sowohl geflüchteten als auch migrierten – den Zugang zu Bildung in Thailand ermöglichen soll. Dabei orientiert sich HwF an den unterschiedlichsten Lebensrealitäten und Bedürfnissen der Kinder. Neben den Migrantenschulen gibt es auch Angebote, die einen Übertritt in das thailändische Bildungswesen ermöglichen.
Eintritt in eine thailändische Schule
Ein Projekt, das wir heuer zum ersten Mal mitfinanzieren, welches HwF aber bereits vor Jahren mithilfe anderer Geldgeber gestartet hat, ist die Unterstützung von 108 Kindern aus der burmesischen Migrantengemeinschaft, die eine thailändische Schule besuchen. Dabei handelt es sich um Kinder, die bereits in Thailand geboren sind und dadurch die erforderlichen Dokumente für die Schuleinschreibung besitzen. Die Familien leben in Migranten-Communities, verrichten meist die schlecht bezahlten Jobs und die finanzielle Lage der Familien ist daher prekär. Wir unterstützen diese Kinder mit einem Beitrag für den Schultransport.
Durch einen Klick auf dieses Video sehen Sie, warum diese Unterstützung notwendig ist.
NFE-Programm
Um noch mehr Kindern den Weg in das thailändische Schulsystem zu ebnen, bieten einige Migrantenschulen das sog. NFE-Programm an (Non Formal Education Program). Dies ist ein anerkannter und beschleunigter Bildungsweg aus dem thailändischen Schulsystem. Dieses Programm wird als Zusatzprogramm angeboten und ermöglicht es, die regulären 12 thailändischen Schuljahre in sieben Jahren zu absolvieren. Ein sehr, sehr lernintensives und anstrengendes Zusatzprogramm, welches es aber ermöglicht, einen offiziellen thailändischen Schulabschluss zu erlangen. Dabei steht vor allem der Thailändisch-Spracherwerb im Mittelpunkt. In einem 200- stündigem Vortest bereiten sich die Kinder für die Aufnahmeprüfung vor. Nach erfolgreicher Absolvierung des Tests, können sie im Programm aufgenommen werden. Im Schuljahr 2026/2027 beteiligen sich 72 Kinder am NFE-Pgogramm: Und dies alles neben dem regulären Schulbesuch an der Migrantenschule! Weitere 134 Kinder bereiten sich dieses Schuljahr für den Aufnahmetest im kommenden Schuljahr vor.
Mehr als nur Bildung
HwF fungiert als zentrale Anlaufstelle für Flüchtlings- und Migrantengemeinschaften, Schulen, Behörden sowie Eltern und Lehrkräfte. Unser Team unterstützt die Lernzentren auch bei der administrativen und pädagogischen Arbeit. Dadurch tragen wir dazu bei, dass möglichst viele Kinder nicht nur Zugang zu Bildung erhalten, sondern auch langfristige Perspektiven für ihre persönliche und berufliche Zukunft entwickeln können. Angesichts einer zunehmend instabilen geopolitischen Lage unterstützt HwF die Communities und Bildungseinrichtungen auch dabei, Vorsorgemaßnahmen und Krisenpläne zu entwickeln. Themen wie sichere Migration, Integration, Gesundheit, Kinderschutz und Zukunftsperspektiven sind unverzichtbare Bestandteile unserer Bildungsarbeit.
Wir unterstützen HwF bei diesen Vorhaben, denn wir sind fest davon überzeugt, dass Hilfe zur Selbsthilfe die beste Form der Entwicklungshilfe ist!
Die Zahlen zeigen, dass der Wunsch nach Bildung und Perspektive groß ist. Mit einer Spende können wir dafür sorgen, dass dieser Weg den Kindern offensteht.


